Meine erste Bekanntschaft mit der flämischen Baukultur verlief ungefähr so: „Wir haben in meinem Heimatdorf ein Haus gekauft“, verkündete ein ehemaliger belgischer Kommilitone. „Oh, wie schön, erzähl mal“, antworteten wir. „Ach, es ist nichts Besonderes. Ein kleines, altes, frei stehendes Haus von 250 Quadratmetern.“ „Zwei-hundert-fünfzig? Du meinst Kubikmeter, oder?“, fragte ich. „Nein, natürlich nicht.“ Dass die meisten Belgier:innen mindestens ebenso überrascht sind, wenn man ihnen erzählt, dass man in einem Einfamilienhaus mit 90 oder 120 Quadratmetern oder gar einer Wohnung wohnt, habe ich während meiner Zeit als Korrespondentin in Belgien erfahren. Im Frühjahr 2016 zogen mein Mann und ich nach Brüssel. Um genau zu sein: nach Molenbeek, am 22. März, dem Tag der Anschläge in der belgischen Hauptstadt. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir bezogen ein modernes Loft in…