Manchmal spielt einem das Leben die Bälle zu. Dann kann man zur Seite treten und hoffen, dass jemand anders sie fängt. Oder man greift sie sich einfach. So wie Katrin Kapplusch, 59, als sie sich im Februar 2023 eine ganze Fabrik fing – hundert Jahre alt, brachliegend, eigentlich mehr ein Industriedenkmal als etwas, mit dem sich ein Unternehmen aufziehen lässt.
„Du spinnst“, sagte ihr Mann Martin Killat, 65, als sie ihm erzählte, sie werde die alte Wollspinnerei in Lengenfeld, einem kleinen Ort 25 Kilometer südlich von Zwickau, wieder in Betrieb nehmen. Und ihr Bankkonto sagte etwas Ähnliches – Kapplusch, freiberufliche Opernsängerin, hatte in der Corona-Zeit kaum etwas verdient, und Ahnung von Betriebsgründungen, Textilwirtschaft und Wollfertigung hatte sie auch keine.
„Aber so was Schönes, so ein Juwel, das zwei Kriege, die…
